(…) Nun kam eines Tages ein Unglücklicher und bestellte bei mir die Pläne zu einem Haus. Es war mein Schneider. Dieser brave Mann – eigentlich zwei brave Männer – hatten mir Jahr für Jahr Anzüge geliefert und geduldig jeden ersten Jänner eine Rechnung geschickt, die, ich kann es nicht verhehlen, nie kleiner wurde. Ich konnte mich und kann mich auch heute noch nicht, trotz den heftigen Remonstrationen meiner Mäzene, des Verdachtes erwehren, daß mir dieser ehrenvolle Auftrag zuteil wurde, um wenigstens eine Verkleinerung dieser Rechnung zu erzielen. Der Architekt bekommt nämlich eine Ehrengabe, das Architektenhonorar. Trotz dessen schönen Namens ist diese Ehrengabe nicht davor gefeit, von unbezahlten Rechnungen abgezogen zu werden.
Ich warnte die beiden braven Männer vor mir. Vergebens. Sie wollten unbedingt die Rechnung kleiner haben – pardon – den Bau einem amtlich gestempelten Künstler übergeben. Ich sagte ihnen: wollt ihr, als derzeit noch unbescholtene Männer partout die Polizei am Halse haben? Sie wollten es.
Es ist gekommen, wie ich es vorhergesagt habe. (…)
Adolf Loos, Mein erstes Haus!
Veröffentlicht in: Der Morgen, Wien, 3. Oktober 1910, S. 1.
Raiffeisen bewahrt Kulturgut von höchstem Rang.
Der Empfangsbereich im Mezzanin wird wie Anno dazumal für Kundengespräche genutzt.
Inzwischen hat das nach seinem Architekten benannte Haus am Michaelerplatz die "wundersame" Wandlung von einem der am meisten kritisierten Gebäude Wiens zu einem der weltweit bedeutendsten Baudenkmäler der frühen Moderne vollzogen.
Raiffeisen, in dessen Besitz sich das Looshaus seit 1987 befindet, gab den Auftrag für die aufwändige, originalgetreue Renovierung und Rekonstruktion des Gebäudes, die auch international gewürdigt wurde (Europa-Nostra-Medaille). Das Hauptwerk des weltberühmten Architekten präsentiert sich somit seinen Besuchern wieder im ursprünglichen Glanz.
Im Erdgeschoß und Mezzanin des Looshauses, früher die repräsentativen Räumlichkeiten des Herrenmodengeschäfts Goldman & Salatsch, befindet sich eine Filiale der Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien AG. Der erste und zweite Stock sind exklusiver Standort für die Stadtdirektion Private Banking und zwei ihrer Teams.
Aufgrund seines einzigartigen Ambientes und seiner zentralen Lage wird das Looshaus zudem für Veranstaltungen, wie z. B. die Wiener Festwochen Lounge, genutzt.
Mit dem Erwerb dieses Baudenkmals war ein Kulturauftrag verbunden, dem Raiffeisen mit seiner Stellung als wichtiger Kooperationspartner im Kulturbereich entspricht.
