LOOSHAUS
VOM SKANDAL ZUM BAUDENKMAL
Eine Dauerausstellung im Looshaus würdigt dessen Vorbilder, Besitzer- und Nutzungsgeschichte.
Plakat zum Vortrag "Mein Haus am Michaelerplatz" von Urban Janke 1911 [1] / Leopold Goldman 1909 [2] / Verkaufsraum im Erdgeschoss 1931 [3]
Titelblatt der 2. Heftes "Das Andere" (Herausgeber: Adolf Loos) mit Inserat von Goldman & Salatsch 1903 [1] / Adolf Loos 1912 [2] / Das Looshaus heute [3]
Adresse & Öffnungszeiten
Michaelerplatz 3
1010 Wien
Mo, Di, Mi, Fr 09 - 15 & Do 09 - 17:30 Uhr
VOM SKANDAL ZUM BAUDENKMAL
Das 1909 bis 1911 errichtete Haus am Michaelerplatz stellt das Hauptwerk von Adolf Loos dar. Es ist sein erster, bedeutendster und größter ausgeführter städtischer Bau. Der Bauplatz gegenüber der Hofburg sicherte dem Bau von Anfang an besondere Aufmerksamkeit und stellte den Architekten vor größte Herausforderungen. Das Gebäude, das sowohl die Abkehr vom Historismus als auch vom secessionistischen Dekor kennzeichnet, gilt als zentrales Hauptwerk der Wiener Moderne. Bauherr war der Herrenschneidersalon Goldman & Salatsch. Bauleiter war Ernst Epstein. Errichtet wurde das Haus von der Baufirma Pittel & Brausewetter.
Nach seiner Fertigstellung löste die "Nacktheit" der Fassaden bei den vom historistischen Geschmack geprägten Wienern einen Schock aus, was zu einem behördlichen Baustopp führte. Wegen des Fehlens der damals üblichen Fensterverdachungen nannten die Wiener den Bau "Haus ohne Augenbrauen". Erst die als Kompromisslösung vorgenommene Anbringung der bronzenen Blumenkästen beruhigte die Gemüter.
Nachdem die Firma Goldman & Salatsch 1925/26 in einen Ausgleich geraten war, wechselte das Haus in den folgenden Jahrzehnten wiederholt den Besitzer. Auch im ehemaligen Lokal des Herrenmodesalons, dessen Erdgeschoss- und Mezzaninzonen zeitweise durch Umbauten getrennt waren, gab es zahlreiche unterschiedliche Nutzer (Autohaus Opel & Beyschlag, Modehaus Prodinger, Reithoffer Gummiwaren, Möbelhaus "Der neue Raum", Genossenschaftliche Zentralbank, Dusika Sportartikel).
Nach dem Kauf des Hauses durch Raiffeisen wurde das bauliche Juwel bis 1989 einer umfassenden Renovierung unterzogen, die auch international gewürdigt wurde. Der mit der Wiederherstellung beauftragte Architekt Burkhardt Rukschcio setzte auch penibel das Herz des Hauses, das Verkaufslokal, in seinen ursprünglichen Zustand zurück. Seitdem wird das Lokal von der Raiffeisenbank in Wien als Filiale genutzt.
ADOLF LOOS
- 1870
Geburt in Brünn - 1887-93
Ausbildung in Reichenberg/Böhmen und Dresden - 1893-96
Aufenthalt in den USA; Beeinflussung durch amerikanischen Funktionalismus und Lebensstil - Ab 1896
nach anfänglicher Tätigkeit als Kunstkritiker in Wien, Gestaltung zahlreicher Geschäftslokale, Wohnungseinrichtungen und Villenbauten - 1922-27
Übersiedlung nach Frankreich; Aufenthalte in Paris und an der französischen Riviera; Bau des Hauses Tzara in Paris (1925) - 1928
Rückkehr nach Wien. Entstehung der Häuser Müller in Prag (1928-30) und Khuner in Payerbach/Niederösterreich (1929) - 1933
Tod in Kalksburg bei Wien
LOOSHAUS
- 1909
Kauf des Grundstückes mit dem "Dreilauferhaus" am Michaelerplatz; Wettbewerb ohne befriedigendes Ergebnis; Beauftragung von Loos - 1910
Erteilung der Baubewilligung; Auswechslungsfassadenplan mit horizontalen Mäanderstreifen; Rohbau-Fertigstellung und Gerüstabbau; behördliche Einstellung der Bauarbeiten, da die Fassade nicht der Einreichung entsprechend ausgeführt wurde; Beginn der Zeitungsberichterstattung; Debatten im Wiener Gemeinderat; Anbringung der Cipollino-Marmorfassade; neue Einreichpläne mit Stuckdekor von Ernst Epstein/Hans Schneider - 1911
Ausschreibung des Fassadenwettbewerbes durch die Bauherren; Rückzug der konservativen Wettbewerbsjuroren; Loos schlägt die Anbringung bronzener Blumenkästen vor; Loos-Vortrag - 1912
Verzicht des Stadtrates auf Fassadenstuck; Fertigstellung
Bilder: Albertina, Wien / Archiv MK, Wien / Courtesy of the late Kitty Goldmann / moessmer.at / Österreichische Nationalbibliothek, Bildarchiv, Wien / Wien Museum, Wien
Idee, Redaktion und Auftraggeber: Raiffeisenlandesbank NÖ-Wien
Autoren: Hannes Etzlstorfer & Markus Kristan
Gestaltung: lohningerGRAFIK.at
