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Das Haus ohne Augenbrauen

Das »Looshaus« auf dem Wiener Michaelerplatz sorgte schon vor seinem Bau für Aufruhr in der Kaiserstadt. Heute, 100 Jahre nach der Eröffnung, ist es Ziel Kulturinteressierter aus aller Welt.

Das Portal des »Looshauses« mit vier Säulen aus Skyrosmarmor.

»Goldman & Salatsch«

Der städtische Regulierungsplan zur Angleichung und Regulierung des Verkehrsnetzes sieht den Abriss zweier Häuser vor, durch den ein prominenter Bauplatz entsteht, den die beiden Kaufleute Emanuel Aufricht und Leopold Goldman für den Bau eines sechsgeschossigen Gebäudes nutzen wollen. Es sollen darin das Geschäftslokal für deren exklusives Herrenmodengeschäft "Goldman & Salatsch" mit den dazugehörenden Büros und Schneiderwerkstätten, sowie die Privatwohnung Goldmans untergebracht werden. Obwohl eingeladen, nahm der damals gerade 30jährige Architekt Adolf Loos nicht an der Ausschreibung teil. Die Arbeiten der Bewerber finden aber bei den beiden Bauherren keine Anerkennung, weshalb sich Aufricht und Goldman entschließen, Loos ganz einfach – und ohne weitere Ausschreibung – mit der Planung zu beauftragen. Natürlich hatte man auch mit entsprechender Aufmerksamkeit spekuliert, waren doch von Loos jedenfalls keine "angepassten" Entwürfe zu erwarten.

Erst zehn Jahre zuvor hatte sich Loos endgültig in Wien niedergelassen. Zu jener Zeit herrschte in gewaltigem Ausmaß der historisierende Ringstrassenstil. Auf den äußeren Eindruck wurde größter Wert gelegt und nicht so sehr auf seine Zweckmäßigkeit. Dies veranlasste Adolf Loos auch später in einem Aufsatz über "Die potemkinsche Stadt" zu schreiben. Hier ging er vor allem auf die Neureichen los, deren Eitelkeit auf Protz und Prunk ausgerichtet war. Für Adolf Loos hingegen nichts als leerer Schein. Loos, der sich drei Jahre in Amerika aufhielt, brachte von dort eine Idee des Architekten Louis H. Sullivan mit: "Es könnte uns nur zum Besten gereichen, wenn wir für eine Zeit lang das Ornament beiseite ließen und uns ganz und gar auf die Errichtung von in ihrer Nüchternheit schön geformten und anmutigen Bauwerken konzentrierten." Daraus entwickelt Loos seinen radikalen ästhetischen Purismus, dessen Philosophie Zweckmäßigkeit, Wohnlichkeit und Komfort waren; aber vor allem – jedes überflüssige Ornament hatte zu verschwinden.

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